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Bericht
von der Exkursion ins Landstuhler Bruch
"Einzigartig in Europa“, charakterisierte Eva
Schillo die Westricher Moorniederung, die gemeinhin unter dem Namen „Landstuhler
Bruch“ geläufig ist. Die Geologin und Geographin aus dem westpfälzischen
Hütschenhausen ist ausgewiesene Expertin für das Areal, das
sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit genauestens unter die wissenschaftliche
Lupe genommen hat. Das länderübergreifende „Gebrüch“,
das in seinen westlichen Ausläufern bis zum Tal der Blies bei Homburg
und Altstadt einerseits reicht und im Osten andererseits durch Kaiserslautern
begrenzt wird, war nun Schauplatz einer Exkursion, in deren Verlauf die
speziellen Merkmale der sehr eigenen Landschaft vorgestellt wurden. Der
Altstadter Naturschutzbund und der Alpenverein Zweibrücken hatten
in Kooperation mit der saarpfälzischen Kreisvolkshochschule dazu
eingeladen.
Entstanden sei das „Bruch“, wie das 40 Kilometer
lange und zwischen drei bis sieben Kilometer breite Moor landläufig
genannt wird, als sich in einem lang andauernden geologischen Prozess
im Norden und Süden Höhenzüge hoben und die Niederung zwischen
sich einschlossen. Der Fachbegriff für diese Art Moor laute „Schichtstufenmoor“.
Und dieses, so Schillo, sei in ganz Europa tatsächlich einmalig.
„Für ungeübte Augen sieht das Gebiet zumeist gar nicht
nach einem typischen Moor mit Wasser- und Torfflächen aus“,
skizzierte die Geographin. Auch historisch seien viele Stellen des Moores
von wichtiger Bedeutung: Der unscheinbare Frohnbach etwa, der über
die wildromantische Elendsklamm dem Bruch zufließt, bildete im 9.
Jahrhundert die Grenze zwischen Deutschland und Lothringen. Lange Zeit
trafen an ihm die Herrschaften Kurpfalz, Sickingen und Pfalz-Zweibrücken
aufeinander.
Im Verlauf der Wanderung wurden aber auch die für
ein Moor typischen Phänomene angesteuert: alte Torfstiche, in denen
ebenso braun-brackiges Grundwasser anstand wie Entwässerungsgräben,
die sich auf langer Strecke schnurgerade durch die ebene Landschaft ziehen.
„Tatsächlich haben Wasserentnahme und landwirtschaftliche Nutzung
das Bruch verändert“, bestätigte Eva Schillo. Auch die
in den 1960er- und 1970er-Jahren übliche exzessive Düngung habe
sich sehr negativ ausgewirkt. Die vielfältige Nutzung sei jedoch
kein Neuland, sondern historisch. „Die Urbarmachung begann im 18.
Jahrhundert“, ließ die Exkursionsleitern Revue passieren.
Noch um das Jahr 1800 war das Gebiet wegen seiner ausgedehnten Sümpfe
beinahe unzugänglich und ließ sich nur via spezieller Knüppeldämme
überqueren. Während des Hochwassers im Frühjahr entstanden
oft sogar weite Wasserflächen, die die Verwendung von Booten erforderlich
machten. Während zahlreicher Stopps an prägnanten Schauplätzen
informierte Schillo über Pflanzen wie Moorbirke, Kiefer und Korbweide,
Teufelsabbiss und Wiesenknopf, über den mehligen Silbersand, der
zur Glasherstellung und als Scheuerpulver verwendet wurde, über Korbflechten,
Torfstiche, die tägliche Arbeit im Moor. Auch Moorleichen und „Irrlichter“
fehlten in ihren Ausführungen ebenso wenig wie das „Schwipp-
Schwapp-Schaukelmoor“, einen Schwingrasen auf feuchtem, instabilem
Grund, den die Kinder in den Dörfern entlang des Bruchs früher
als „Hoppelwiese“ und damit als eine Art Trampolinersatz nutzten.
Zum Abschluss der Natur- und Kultur-Tour gab es im „Grumbeerkeller“
in Miesau schließlich noch eine passende „Moorvesper“:
„Duppches-Grumbeere“ (Pellkartoffeln, die in Salz und Butter
gedippt werden) fanden sich dabei ebenso auf dem Büfett wie Brote
mit Ziegenkräuterquark, „Eierschmeer“ und eine sehr spezielle
„Moorbowle“.
Text: Martin Baus
Fotos: Dieter Geib, Martin Baus
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